Behandlungsschwerpunkt
Burnout und Erschöpfung behandeln
Erschöpfung, die sich durch Wochenenden nicht mehr beheben lässt, ist kein Zeichen mangelnder Disziplin. Sie ist ein Signal.
Wie sich Erschöpfung von innen anfühlt
Am Anfang steht meistens: Es fällt gar nicht auf. Sie sind jemand, der viel schafft. Das war immer so, darauf verlassen sich Leute, darauf verlassen Sie sich selbst.
Dann verschiebt sich etwas. Der Feierabend reicht nicht mehr, um herunterzukommen. Das Wochenende geht für Regeneration drauf und reicht auch nicht. Sie kommen aus dem Urlaub und die Wirkung hält drei Tage.
Sie merken, dass Sie nur noch über Druck funktionieren. Es läuft noch, aber nichts läuft mehr von selbst. Jede Aufgabe braucht einen Anlauf. Dinge, die früher zwanzig Minuten dauerten, dauern zwei Stunden, und Sie machen mehr Fehler als früher, was Sie zusätzlich beschämt.
Sie werden zynisch. Das erschreckt Sie vielleicht am meisten. Menschen, für die Sie diesen Beruf gewählt haben, werden zu Fällen. Kolleg:innen nerven. Sie bemerken an sich eine Gleichgültigkeit, die Sie nicht kennen und nicht mögen.
Der Körper meldet sich. Kopfschmerzen, Rücken, Magen, ein Infekt nach dem anderen. Sie schlafen ein und wachen um drei auf, und dann läuft der Kopf. Sie sind müde und gleichzeitig innerlich aufgedreht — leer und unter Strom zur selben Zeit.
Und Sie ziehen sich zurück. Erst die Hobbys, dann der Sport, dann die Freund:innen. Immer mit derselben Begründung: gerade keine Kraft. Genau die Dinge, die Kraft geben würden, fallen zuerst weg.
Wann es Zeit wird, sich Hilfe zu holen
- Erholung erholt nicht mehr — Wochenenden und Urlaub verpuffen.
- Sie schlafen schlecht, obwohl Sie erschöpft sind.
- Ihre Leistungsfähigkeit sinkt spürbar, obwohl Sie mehr investieren.
- Sie werden gleichgültig oder zynisch gegenüber Dingen, die Ihnen wichtig waren.
- Der Körper meldet sich dauerhaft, ohne dass ärztlich etwas gefunden wird.
- Sie haben aufgehört, Dinge zu tun, die Ihnen gut tun.
- Sie brauchen Alkohol oder anderes, um abends abzuschalten.
Ein wichtiger Hinweis: Lassen Sie anhaltende Erschöpfung ärztlich abklären. Schilddrüse, Blutbild, Eisen, Schlafapnoe und anderes können dahinterstecken oder mitspielen. Das gehört zur sauberen Diagnostik und ist keine Umgehung des psychischen Themas.
Wie wir im PZH mit Burnout und Erschöpfung arbeiten
Der erste Schritt ist Sortieren, nicht Behandeln. „Burnout" ist ein Sammelbegriff, und darunter liegt bei sehr vielen Menschen etwas, das einen eigenen Namen und eine eigene Behandlung hat: eine Depression, eine Angststörung, eine Belastungsreaktion, manchmal eine körperliche Ursache, manchmal eine bislang unerkannte ADHS, deren jahrelange Kompensation genau so aussieht wie Erschöpfung. Was es ist, entscheidet, was hilft.
Danach arbeiten wir verhaltenstherapeutisch an drei Ebenen:
Entlastung schaffen. Zuerst muss der Pegel runter. Konkrete Schritte, die Sie handlungsfähiger machen: Erholung planen statt hoffen, Aktivitäten wieder aufbauen, die Kraft geben, den Schlaf stabilisieren. Nicht als Wellness-Tipp, sondern weil ohne Entlastung keine Veränderungsarbeit möglich ist.
Die Muster bearbeiten. Erschöpfung entsteht selten nur durch Umstände. Meistens gibt es innere Regeln, die dabei mithelfen: Ich darf erst aufhören, wenn alles fertig ist. Wenn ich nein sage, bin ich unzuverlässig. Mein Wert bemisst sich daran, was ich leiste. Diese Sätze sind oft alt, und wo sie tief in der eigenen Geschichte verwurzelt sind, arbeiten wir mit Schematherapie.
Grenzen handhabbar machen. Nicht als Haltung, sondern als Fertigkeit: Aufgaben abgeben, Erwartungen aushandeln, Erschöpfungssignale wahrnehmen, bevor der Körper laut wird. Mit achtsamkeitsbasierten Ansätzen üben wir genau das — den eigenen Zustand zu bemerken, statt ihn zu überfahren.
Wir arbeiten mit standardisierten Fragebögen zu Beginn, im Verlauf und zum Abschluss. Bei Erschöpfung ist das besonders nützlich: Die Selbstwahrnehmung ist bei chronischem Stress verzerrt, und viele Menschen bemerken ihre eigene Besserung erst, wenn sie sie schwarz auf weiß sehen.
Was wir nicht können
Wir können Ihre Arbeitsbedingungen nicht ändern, keine Führungskraft ersetzen und keine Umstrukturierung rückgängig machen. Wo die Bedingungen krank machen, sagen wir das auch — und arbeiten daran, dass Sie handlungsfähig genug werden, um sie zu verändern oder eine Entscheidung zu treffen.
Wenn Ihr Anliegen keinen Krankheitswert hat, sondern eine berufliche Klärungsfrage ist, ist Beratung und Coaching unter Umständen das passendere Format. Auch das klären wir im Erstgespräch.
Die Behandlung findet in unseren Räumen in Hamburg statt oder als Online-Therapie.
Häufige Fragen
Fragen zu Burnout und Erschöpfung
Ist Burnout eine anerkannte Diagnose?
Burnout ist keine eigenständige psychische Erkrankung im Sinne der Diagnosesysteme, sondern wird als Faktor beschrieben, der die Gesundheit beeinflusst — bezogen auf chronischen Stress am Arbeitsplatz. Das heißt nicht, dass es das Problem nicht gibt. Es heißt, dass wir genau hinsehen müssen: Hinter dem, was Menschen Burnout nennen, steckt sehr häufig eine behandelbare Depression, eine Angststörung oder eine körperliche Ursache. Diese Unterscheidung ist der wichtigste Teil des Erstgesprächs.
Was ist der Unterschied zwischen Burnout und Depression?
Beides überschneidet sich stark und ist von außen kaum zu trennen. Vereinfacht gesagt ist Erschöpfung im Sinne von Burnout zunächst an einen Kontext gebunden — meist die Arbeit — und bessert sich zumindest anfangs mit Abstand. Eine Depression betrifft alle Lebensbereiche, hält unabhängig vom Kontext an und bringt typischerweise Interessenverlust, ausgeprägte Selbstabwertung und häufig Suizidgedanken mit sich. Die Grenze ist fließend, und Burnout kann in eine Depression übergehen. Deshalb gehört diese Abklärung in fachliche Hände und nicht auf eine Website.
Ich brauche doch nur mal Urlaub, oder?
Ein guter Test: Wenn Sie nach zwei Wochen Urlaub erholt zurückkommen und die Erschöpfung nach drei Tagen wieder da ist, war Urlaub nicht die Antwort. Erholung, die nicht mehr erholt, ist eines der klarsten Warnsignale. Dann geht es nicht um Ruhe, sondern um die Bedingungen, die die Erschöpfung immer wieder herstellen.
Kann Therapie helfen, wenn mein Job das Problem ist?
Ja — mit einer ehrlichen Einschränkung. Psychotherapie kann Ihre Arbeitsbedingungen nicht ändern. Was sie kann: die Muster bearbeiten, die Sie in diese Bedingungen bringen und dort halten. Perfektionismus, Nicht-nein-sagen-können, den eigenen Wert an Leistung knüpfen, Erschöpfungssignale übergehen. Und sie kann Sie handlungsfähig genug machen, um an der Situation selbst etwas zu verändern.
Muss ich mich krankschreiben lassen?
Das ist keine pauschale Frage. Krankschreibungen sprechen wir individuell und je nach Schweregrad an; bei körperlichen Ursachen und arbeitsmedizinischen Fragen sind Ärzt:innen zuständig. Wichtig zu wissen: Krankschreibung allein löst selten etwas. Ohne Veränderung der Muster und Bedingungen ist die Erschöpfung nach der Rückkehr meist wieder da.
Ich bin erschöpft, aber kann trotzdem nicht abschalten. Wie passt das zusammen?
Sehr gut sogar — das ist eher typisch als widersprüchlich. Chronischer Stress hält den Körper in Alarmbereitschaft. Sie sind gleichzeitig völlig leer und innerlich hochgefahren: müde, aber nicht schläfrig, erschöpft, aber unruhig. Genau diese Kombination gehört zum Bild und ist ein Grund, es nicht als Faulheit oder Willensschwäche abzutun.
Der erste Schritt ist eine kurze Nachricht
Sie müssen Ihr Anliegen nicht ausformulieren und nichts vorbereiten. Schreiben Sie uns in zwei Sätzen, worum es geht — wir melden uns zurück und klären mit Ihnen, was passt.