„Ich dachte immer, ich bin einfach faul." Diesen Satz hören wir in der ADHS-Sprechstunde oft. Dahinter steht meist eine lange Geschichte: gute Ideen, die nie fertig wurden. Termine, die trotz drei Erinnerungen untergingen. Ein Kopf, der nachts nicht aufhört. Und die stille Überzeugung, sich einfach mehr anstrengen zu müssen.
ADHS wird im Erwachsenenalter häufig übersehen. Das liegt daran, dass sich das Bild verändert: Die sichtbare Zappeligkeit aus der Kindheit wird zur inneren Unruhe. Die Symptome verschwinden nicht, sie werden nur leiser — und die Betroffenen werden besser darin, sie zu kaschieren.
Woran Sie merken, dass eine Abklärung sinnvoll sein könnte
Eine Diagnostik lohnt sich nicht, weil ein Test etwas anzeigt, sondern weil Sie im Alltag unter etwas leiden. Typische Anlässe sind:
- Konzentrationsprobleme, die Sie seit der Schulzeit begleiten — nicht erst seit dem letzten stressigen Jahr
- Schwierigkeiten, Aufgaben zu strukturieren, anzufangen und zu Ende zu bringen
- Häufiges Vergessen von Terminen, Zusagen und Gegenständen
- Impulsives Entscheiden oder Reden, das Sie hinterher bereuen
- Emotionale Überforderung, die von außen unverhältnismäßig wirkt
- Innere Unruhe und das Gefühl, nie wirklich abschalten zu können
- Das Gefühl, für ein normales Pensum deutlich mehr Kraft zu brauchen als andere
Entscheidend ist dabei nicht ein einzelnes Merkmal, sondern das Muster: Zeigt es sich seit der Kindheit, in mehreren Lebensbereichen, und beeinträchtigt es Sie tatsächlich?
Wenn Sie sich hier wiedererkennen, kann unsere ADHS-Selbsteinschätzung ein erster Anhaltspunkt sein. Sie dauert wenige Minuten, wird anonym in Ihrem Browser ausgewertet — und ersetzt keine Diagnostik.
Wie die Diagnostik im PZH abläuft
Eine seriöse ADHS-Diagnostik ist kein Fragebogen und kein Termin. Sie ist ein Prozess aus mehreren Bausteinen, die erst zusammen ein Bild ergeben.
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Ausführliches Erstgespräch
Wir klären Ihr Anliegen, Ihre Beschwerden im Alltag und was Sie sich von einer Abklärung erhoffen. Hier entscheidet sich auch, ob eine Diagnostik überhaupt der richtige Weg ist.
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Fragebögen und Testverfahren
Wir setzen etablierte Verfahren ein, unter anderem die WURS-K zur retrospektiven Erfassung von ADHS-Symptomen in der Kindheit. Die Bögen sind ein Baustein der Diagnostik — nie ihre Grundlage.
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Blick auf die Lebensgeschichte
ADHS beginnt nicht im Erwachsenenalter. Deshalb schauen wir gemeinsam auf Schulzeit, Ausbildung, Beruf und Beziehungen — und suchen nach dem roten Faden. Zeugnisse oder Berichte von Angehörigen helfen dabei, wenn Sie sie haben.
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Differentialdiagnostik
Konzentrationsstörungen, innere Unruhe und Vergesslichkeit gibt es auch bei Depressionen, Angststörungen, Traumafolgen, Schlafstörungen und Erschöpfung. Wir grenzen sorgfältig ab, statt vorschnell zu benennen — und schauen ebenso auf mögliche Begleiterkrankungen.
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Befundbesprechung
Sie bekommen das Ergebnis in Ruhe erklärt, mit allem, was daraus folgt — und mit dem, was offenbleibt. Auch ein Ergebnis ohne ADHS-Diagnose ist ein Ergebnis, das weiterhilft.
Was eine Diagnose verändert — und was nicht
Eine Diagnose macht die Schwierigkeiten nicht kleiner. Aber sie ordnet sie ein. Viele Menschen beschreiben nach der Befundbesprechung eine Erleichterung, die weniger mit dem Befund selbst zu tun hat als mit dem, was er beendet: die jahrelange Selbsterklärung, man sei zu wenig diszipliniert.
Konkret eröffnet eine Diagnose:
- eine Grundlage für die Entscheidung über Psychotherapie und, gemeinsam mit ärztlicher Behandlung, über Medikation
- eine Basis für Nachteilsausgleiche in Studium und Ausbildung
- Argumente für Anpassungen am Arbeitsplatz
- vor allem: eine andere Erzählung über das eigene Leben
Was sie nicht leistet: Sie ist kein Freifahrtschein und keine Erklärung für alles. Und sie ist kein Automatismus — nicht jede Abklärung endet mit einer Diagnose.
Ein Punkt, der uns wichtig ist: ADHS wird bei Frauen deutlich seltener erkannt. Das liegt nicht daran, dass es seltener vorkäme, sondern daran, dass es sich häufiger nach innen richtet — als Grübeln, Erschöpfung und Selbstzweifel statt als sichtbare Impulsivität. Viele Frauen bekommen deshalb zuerst eine Depressions- oder Angstdiagnose und Jahre später die Erklärung darunter. Wir haben das im Blick.
Der erste Schritt
Der Weg zur Klarheit beginnt mit einem Gespräch, nicht mit einem Test. Auf unserer Seite zur ADHS- und Autismus-Diagnostik finden Sie alle Details zu Umfang, Ablauf und Abrechnung. Wenn Sie sich unsicher sind, ob eine Abklärung für Sie sinnvoll ist: Melden Sie sich. Genau diese Frage klären wir im Erstgespräch.
Themen: ADHS · Diagnostik · Erwachsene