Behandlungsschwerpunkt
Traumafolgestörungen behandeln
Das Ereignis ist vorbei. Ihr Körper hat das noch nicht mitbekommen. Das ist keine Schwäche — das ist genau das, was Traumafolgen ausmacht.
Wie sich Traumafolgen von innen anfühlen
Das Merkwürdigste daran ist die Gleichzeitigkeit: Sie wissen, dass es vorbei ist. Und Ihr Körper verhält sich, als wäre es das nicht.
Es drängt sich auf. Bilder kommen ungefragt, mitten im Supermarkt, mitten im Gespräch. Nicht als Erinnerung, die man betrachtet, sondern als etwas, das über Sie kommt. Manchmal nur ein Geruch, ein Geräusch, ein Lichtwinkel — und für einen Moment sind Sie wieder dort. Nachts holen Träume Sie zurück, und Sie wachen auf, als wäre es gerade passiert.
Also weichen Sie aus. Sie fahren einen Umweg. Sie sehen sich bestimmte Filme nicht mehr an. Sie sprechen nicht darüber, und wenn jemand fragt, wechseln Sie das Thema. Manche Erinnerungen sind ohnehin löchrig — ganze Passagen fehlen einfach.
Ihr Alarmsystem steht auf Dauerbetrieb. Sie sitzen mit dem Rücken zur Wand. Sie scannen jeden Raum, den Sie betreten. Eine zufallende Tür bringt Sie hoch. Sie schlafen schlecht, sind reizbar, fahren bei Kleinigkeiten aus der Haut und erschrecken sich selbst damit.
Und dann ist da die Veränderung im Inneren. Sie fühlen weniger als früher — auch das Gute. Sie sind da, aber wie hinter Glas. Vielleicht denken Sie, Sie hätten anders reagieren müssen. Vielleicht geben Sie sich die Schuld. Vertrauen ist schwer geworden, in die Welt und in Menschen.
Sehr häufig kommt dazu: Scham. Und der Satz „andere haben Schlimmeres erlebt". Der stimmt vielleicht sogar — und ändert nichts.
Wann eine Behandlung sinnvoll ist
Nach einem belastenden Ereignis sind starke Reaktionen zunächst normal. Aufwühlung, Schlafstörungen, Bilder, Schreckhaftigkeit — das ist keine Krankheit, sondern ein System, das verarbeitet. Bei vielen Menschen klingt das in den ersten Wochen von selbst ab.
Sinnvoll wird eine Behandlung, wenn:
- die Beschwerden länger als etwa vier Wochen anhalten oder stärker werden,
- Sie Ihr Leben zunehmend um das Vermeiden herum einrichten,
- Sie nicht mehr zur Ruhe kommen — Schlaf, Anspannung, Schreckhaftigkeit,
- Arbeit, Beziehungen oder Alltag deutlich leiden,
- Sie zu Alkohol oder Substanzen greifen, um es auszuhalten,
- Sie sich von sich selbst entfremdet fühlen,
- oder die Symptome erst Jahre später auftauchen und Sie nicht einordnen können, was los ist.
Bei Suizidgedanken holen Sie sich bitte sofort Hilfe: ärztlicher Bereitschaftsdienst 116 117, in akuter Gefahr Notruf 112, Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 0800 111 0 111.
Wie wir im PZH mit Traumafolgen arbeiten
Unsere Grundlage ist die Verhaltenstherapie; traumafokussierte Verfahren gehören zu den wissenschaftlich am besten abgesicherten Behandlungen der PTBS. Das PZH ist Mitglied der Deutschsprachigen Gesellschaft für Psychotraumatologie (DeGPT).
Die Arbeit folgt einer Reihenfolge, und diese Reihenfolge ist nicht verhandelbar:
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Zuerst Sicherheit
Bevor irgendetwas verarbeitet wird, geht es um Stabilität im Hier und Jetzt: äußere Sicherheit, Umgang mit Übererregung, Techniken gegen das Wegkippen in die Vergangenheit. Wer keinen Boden hat, kann nicht verarbeiten.
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Dann Verstehen
Sie lernen, was Ihr Nervensystem tut und warum. Flashbacks, Schreckhaftigkeit und Vermeidung sind keine Defekte, sondern die logische Antwort eines Systems, das gelernt hat, dass Gefahr real ist. Diese Einordnung nimmt der Symptomatik einen Teil ihres Schreckens.
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Dann Verarbeiten — wenn es dran ist
Erst wenn die Grundlage steht, wird traumafokussiert gearbeitet: geordnet, dosiert, in Ihrem Tempo. Ziel ist, dass die Erinnerung zu einer Erinnerung wird — etwas, das Sie hatten, statt etwas, das Sie hat. Ob und wann dieser Schritt kommt, entscheiden wir gemeinsam.
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Dann Weiterleben
Zurückgewinnen, was das Vermeiden gekostet hat: Orte, Menschen, Handlungsspielraum. Und die Frage, wie das Erlebte in Ihre Geschichte passt, ohne sie zu bestimmen.
Wo Traumatisierungen weit zurückreichen und das Selbstbild und die Beziehungsgestaltung geprägt haben, arbeiten wir mit Schematherapie. Achtsamkeitsbasierte Ansätze helfen dort, wo der Kontakt zum eigenen Körper verloren gegangen ist.
Bei Arbeits- und Wegeunfällen
Ist der Unfall bei der Arbeit oder auf dem Arbeitsweg passiert, ist in der Regel die Berufsgenossenschaft zuständig. Wir behandeln BG-Fälle. Sagen Sie uns bei der Anmeldung bitte gleich, dass es sich um einen Arbeits- oder Wegeunfall handelt — dann klären wir den Weg mit Ihnen.
Formate
Die Behandlung findet in unseren Räumen in Hamburg statt oder als Online-Therapie. Ergänzend bieten wir eine Gruppe zur Traumabewältigung an.
Wir versprechen kein Ergebnis und keine Dauer. Traumatherapie ist Arbeit, und sie ist streckenweise anstrengend. Was wir zusagen: Es geschieht nichts ohne Ihre Zustimmung, und niemand drängt Sie in eine Konfrontation, für die es zu früh ist.
Häufige Fragen
Fragen zu Traumafolgestörungen
Was zählt überhaupt als Trauma?
Fachlich geht es um Ereignisse, in denen Sie tatsächlichem oder drohendem Tod, ernsthafter Verletzung oder sexueller Gewalt ausgesetzt waren — selbst betroffen, als Zeug:in, oder weil es einem nahestehenden Menschen widerfahren ist. Dazu zählen Unfälle, Überfälle, Gewalt, schwere medizinische Ereignisse und Vergleichbares. Entscheidend ist nicht, ob andere das Ereignis schlimm genug finden, sondern was es mit Ihrem System gemacht hat.
Mein Trauma liegt Jahre zurück. Ist es dafür nicht zu spät?
Nein. Traumafolgestörungen können unmittelbar auftreten, sich aber auch erst Monate oder Jahre später zeigen — oft ausgelöst durch einen scheinbar kleinen Anlass, einen Lebensübergang oder wenn die Belastung nachlässt und das System endlich Raum hat. Auch lange zurückliegende Traumatisierungen sind behandelbar. Ein Zeitfenster, das sich schließt, gibt es nicht.
Muss ich in der Therapie alles noch einmal durchleben?
Nein, und das ist ein verbreitetes Missverständnis. Traumatherapie ist kein Wiedererleben, sondern ein geordnetes Verarbeiten — mit Vorbereitung, mit Techniken zur Stabilisierung, und in einem Tempo, das Sie mitbestimmen. Bevor überhaupt am Ereignis gearbeitet wird, geht es um Sicherheit und Handlungsfähigkeit im Hier und Jetzt. Sie behalten die Kontrolle über jeden Schritt. Und wenn eine Konfrontation zum jetzigen Zeitpunkt fachlich nicht angezeigt ist, findet sie nicht statt.
Mein Unfall ist auf der Arbeit oder auf dem Arbeitsweg passiert. Wer zahlt?
Bei Arbeits- und Wegeunfällen ist in der Regel die Berufsgenossenschaft zuständig, nicht die Krankenkasse. Wir behandeln BG-Fälle. Melden Sie den Zusammenhang mit dem Unfall bitte gleich bei der Anmeldung, damit wir den richtigen Weg mit Ihnen klären können.
Ich habe kein einzelnes schlimmes Ereignis, aber eine schwere Kindheit. Passt das hier?
Ja. Wiederholte, andauernde Belastungen in der Entwicklung hinterlassen andere Spuren als ein einzelnes Ereignis: eher in der Beziehungsgestaltung, im Selbstbild und in der Fähigkeit, Gefühle zu regulieren. Die Behandlung sieht dann anders aus und braucht mehr Zeit für Stabilisierung. Melden Sie sich, wir klären das im Erstgespräch. Verwandte Themen finden Sie auch unter emotionaler Dysregulation.
Ist das PZH auf Traumatherapie spezialisiert?
Das PZH ist Mitglied der Deutschsprachigen Gesellschaft für Psychotraumatologie (DeGPT). Traumafolgestörungen gehören zu unseren Behandlungsschwerpunkten, und traumatherapeutische Qualifikation ist ein Kriterium, auf das wir bei unseren Therapeut:innen Wert legen.
Der erste Schritt ist eine kurze Nachricht
Sie müssen Ihr Anliegen nicht ausformulieren und nichts vorbereiten. Schreiben Sie uns in zwei Sätzen, worum es geht — wir melden uns zurück und klären mit Ihnen, was passt.