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Diagnostik · Erwachsene ab 18

ADHS-Diagnostik für Erwachsene in Hamburg

Viele Erwachsene spüren ihr Leben lang, dass sie anders „ticken" — ohne je eine Erklärung bekommen zu haben. Eine strukturierte Abklärung schafft Klarheit: für Sie selbst und als Grundlage für alles Weitere.

Wie sich ADHS bei Erwachsenen zeigt

ADHS wird oft mit dem zappeligen Kind im Klassenzimmer verbunden. Bei Erwachsenen sieht es meist anders aus — die Unruhe wandert nach innen.

  • Konzentration und Aufmerksamkeit: Schwierigkeiten, die letzten Details eines Projekts abzuschließen, wenn der spannende Teil vorbei ist
  • Organisation: Aufgaben, die Struktur verlangen, werden zur Hürde — nicht aus Unwillen, sondern weil das Sortieren selbst die Anstrengung ist
  • Aufschieben: Alles, was längeres Nachdenken erfordert, wird verzögert — oft bis der Druck groß genug ist
  • Innere Unruhe: das Gefühl, „von einem Motor angetrieben" zu sein, auch wenn äußerlich niemand etwas sieht
  • Impulsivität: schnelle Entscheidungen, unterbrochene Gespräche, Worte, die schon draußen sind
  • Emotionale Reizbarkeit: Gefühle kommen schneller und heftiger, als sie sich steuern lassen

Dazu kommt oft eine lange Geschichte des Kompensierens: Listen, Wecker, Deadlines, das Arbeiten in der letzten Nacht. Das funktioniert häufig jahrelang — bis eine Lebensphase kommt, in der die Anforderungen steigen und die Strategien nicht mehr tragen. Ein neuer Job, ein Kind, eine Führungsrolle. Viele Menschen kommen genau dann zu uns.

Auch Stärken gehören zum Bild

Eine Diagnostik sucht nach Beeinträchtigungen, weil das ihr Auftrag ist. Sie beschreibt damit aber nur eine Hälfte.

Viele Menschen mit ADHS berichten von ausgeprägter Kreativität, von der Fähigkeit, in interessanten Aufgaben vollständig aufzugehen, von schnellem Denken und einer Begabung, Zusammenhänge zu sehen, die andere übersehen. Diese Seite verschwindet nicht durch eine Diagnose — sie wird durch sie oft überhaupt erst erklärbar.

Unser Vorgehen

  1. Anamnese und Erstgespräch

    Ihre Lebensgeschichte, Ihre Beschwerden, Ihre bisherigen Erfahrungen — ausführlich und in Ruhe.

  2. Fragebögen und Testverfahren

    Standardisierte, anerkannte Verfahren, digital und im Interview erhoben.

  3. Fremdanamnese

    Sofern möglich: Angehörige oder Bezugspersonen zum Verlauf seit Kindheit und Jugend.

  4. Differenzialdiagnostik

    Abgrenzung gegen Depression, Angst, Trauma, Schlafstörungen und andere Erklärungen.

  5. Auswertung und Rückmeldung

    Ausführliches Gespräch, schriftlicher Befund, Beratung zu den nächsten Schritten.

Erst einmal sortieren?

Wenn Sie sich unsicher sind, ob eine Abklärung für Sie passt, können Sie mit dem ASRS-v1.1-Screener der Weltgesundheitsorganisation anfangen. Sechs Fragen, zwei Minuten, sofortige Auswertung — anonym und ohne dass etwas gespeichert wird.

Er ersetzt keine Diagnose. Aber er hilft Ihnen, Ihre Wahrnehmung in Worte zu fassen.

Zur ADHS-Selbsteinschätzung

Und danach?

Auf Wunsch schließt sich direkt bei uns im Haus eine passende psychotherapeutische Begleitung an — Sie müssen sich nicht erneut irgendwo anmelden und warten. Sie können den Befund aber auch einfach mitnehmen und für sich behalten. Beides ist in Ordnung.

Häufige Fragen

Häufige Fragen zur ADHS-Diagnostik

Kann ADHS wirklich erst im Erwachsenenalter erkannt werden?

Die Diagnose ja, die ADHS selbst nicht. ADHS beginnt immer in der Kindheit — das ist ein diagnostisches Kriterium. Was oft passiert: Die Anzeichen wurden damals nicht erkannt, anders gedeutet oder gut kompensiert. Besonders häufig betrifft das Mädchen und Frauen sowie Menschen mit vorwiegend unaufmerksamem Typ, die nicht durch Störverhalten auffielen, sondern still im Unterricht saßen und träumten. Deshalb erheben wir in der Diagnostik immer den Verlauf seit Kindheit und Jugend.

Woran merke ich, dass eine Abklärung sinnvoll sein könnte?

Typisch sind: chronische Schwierigkeiten mit Konzentration und Organisation, Aufschieben von Aufgaben, die Nachdenken erfordern, das Gefühl innerer Unruhe oder ständigen Getriebenseins, Impulsivität, emotionale Reizbarkeit, sowie eine Überforderung im Alltag trotz hohem Einsatz. Entscheidend ist nicht ein einzelnes Merkmal, sondern dass es Sie durchgängig durchs Leben begleitet und Sie im Alltag tatsächlich einschränkt.

Wie läuft die ADHS-Diagnostik konkret ab?

Über mehrere Termine. Zuerst ein ausführliches Anamnesegespräch zu Ihrer Lebensgeschichte und Ihren Beschwerden. Dann standardisierte Fragebögen und Testverfahren, digital und im Interview erhoben. Sofern möglich beziehen wir eine Fremdanamnese ein — Angehörige oder Bezugspersonen, die etwas über Ihre Kindheit und Jugend sagen können. Danach grenzen wir differenzialdiagnostisch gegen andere Erklärungen ab. Zum Schluss besprechen wir alles ausführlich mit Ihnen und Sie erhalten einen schriftlichen Befund.

Warum brauchen Sie Informationen über meine Kindheit?

Weil ADHS definitionsgemäß in der Kindheit beginnt. Wenn die Beschwerden erst im Erwachsenenalter aufgetreten sind, steckt fast immer etwas anderes dahinter — eine Depression, eine Angststörung, eine Schlafstörung, eine Belastungssituation. Die Frage nach dem Verlauf ist deshalb keine Neugier, sondern das entscheidende Unterscheidungsmerkmal.

Was, wenn niemand mehr etwas über meine Kindheit sagen kann?

Das ist häufig und kein Ausschlusskriterium. Zeugnisse, alte Beurteilungen oder Ihre eigenen Erinnerungen helfen ebenfalls weiter. Die Fremdanamnese ist ein Baustein von mehreren, kein Muss.

Bekomme ich mit der Diagnose automatisch Medikamente?

Nein, und wir verordnen auch keine. Als psychologische Psychotherapeut*innen dürfen wir keine Medikamente verschreiben — das ist Sache von Ärzt*innen, in der Regel Psychiater*innen. Wir stellen die Diagnose, ordnen sie ein und besprechen mit Ihnen die möglichen Wege. Ob eine medikamentöse Behandlung für Sie infrage kommt, entscheiden Sie gemeinsam mit einer Ärztin oder einem Arzt. Psychotherapie ist ein eigenständiger Weg und lässt sich mit Medikation kombinieren oder ohne sie gehen.

Zahlt die Krankenkasse die ADHS-Diagnostik?

Private Krankenversicherungen und die Beihilfe übernehmen die Kosten in der Regel vollständig, wenn eine medizinische Indikation vorliegt. Bei der gesetzlichen Krankenversicherung ist eine teilweise oder vollständige Kostenübernahme unter bestimmten Voraussetzungen möglich — besonders dann, wenn die Diagnostik im Rahmen einer psychotherapeutischen Behandlung bei uns stattfindet. Sie können sie auch selbst zahlen. Was in Ihrem Fall gilt, klären wir vorab transparent mit Ihnen.

Was bringt mir die Diagnose im Alltag?

Das ist sehr individuell. Für viele ist der größte Effekt, die eigene Geschichte neu lesen zu können — Jahrzehnte von „ich bin faul, unzuverlässig, zu viel" bekommen eine andere Erklärung. Praktisch kann eine Diagnose außerdem Voraussetzung sein für Psychotherapie, Coaching, Nachteilsausgleiche in Studium oder Beruf oder eine medikamentöse Behandlung.

Der erste Schritt ist eine kurze Nachricht

Sie müssen Ihr Anliegen nicht ausformulieren und nichts vorbereiten. Schreiben Sie uns in zwei Sätzen, worum es geht — wir melden uns zurück und klären mit Ihnen, was passt.